Jo Platt – Die Bücherfreundinnen

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: 23. Juni 2016
  • Verlag: Argon Verlag
  • ISBN: 978-3839814789
  • Hörbuch  6 Stunden 21 Minuten
  • Sprache: Deutsch

 

Klappentext: 

Alice, Miriam, Sophie und Abigail sind die besten Freundinnen. Sie teilen alles miteinander, auch ihre Liebe zu Büchern. Einmal im Monat trifft sich ihr Buchclub. Doch eine fehlt – Lydia. Vor zwei Jahren starb sie an Krebs. Ihr letzter Wunsch an die Freundinnen: Ihr Mann sollte in den Club aufgenommen werden, seitdem ist Jon festes Mitglied. Die Freundschaft hat allen fünf geholfen, mit dem schweren Verlust fertigzuwerden. Nur Alice ist nicht glücklich. Eine Dating-Katastrophe jagt die nächste, kein Mann scheint richtig zu sein für die Innenarchitektin. Ihre Freundinnen ahnen längst, was Alice sich nicht eingestehen will: Sie ist verliebt in Jon, den einzigen Mann, der wirklich tabu ist …

Inhalt: 

Zunächst einmal muss man sagen, dass der Klappentext ziemlich übertrieben ist. So gibt es zwar ein einziges katastrophal verlaufenes Date, was auch genauer beschrieben ist, aber mehr nicht. Und Jon ist auch nicht in dem Sinne tabu, es gibt über das ganze Hörbuch hinweg keinerlei Andeutungen, dass irgendjemand damit ein Problem haben würde, er ist lediglich Alice‘ bester Freund und der Mann ihrer verstorbenen Freundin.

Aber beginnen wir von vorn. Ein Jahr nach einer unschönen Trennung lehnt Alice noch immer jedes Date ab. Als an einem Buchclubabend die Freundinnen beginnen, sie damit aufzuziehen, und noch raten, sie möge sich doch erst einmal nur mit Bekannten ihrer Freundinnen treffen – diese abzulehnen, wäre immerhin schwieriger -, beschließt sie, dass sie jedem, der ihr vorgeschlagen wird, eine Chance geben will und schreibt das auch in einer Rundmail an ihren Buchclub.

Von da an wird das Verhältnis zu Jon, ihrem besten Freund und seit dem Tod seiner Frau an ihrer Stelle im Club, immer schlechter, ohne dass sie das groß verstehen könnte. Während dessen trifft sie also ein paar der Männer. Einer sieht erst wie ein totaler Reinfall aus, als sie sich aber eingestehen, dass sie sich nicht anziehend finden, stellen sie fest, dass sie als Freunde sehr gut harmonieren. Und dann kommt Stephen. Mit ihm ist Alice zum ersten Mal seit einem Jahr wieder mehr oder weniger glücklich. Doch warum nagt es so an ihr, dass auch Jon wieder ausgeht und eine neue Freundin hat?

Und auch in den Leben der anderen Buchclubdamen läuft es nicht so gut. Was ist nur mit Sophie und ihrem Chef? Warum kündigt sie? Und geht Miriams Ehe den Bach runter?

Vieles davon wirkt aber sehr vorhersehbar und teilweise ziemlich konstruiert, lehnt doch eine der Freundinnen ein gewisses Verhalten bei Männern ab und legt es dann selbst an den Tag.

 

Charaktere: 

Das Hörbuch ist gekürzt, daher ist es durchaus möglich, dass die Charaktere im Buch genauer ausgearbeitet sind. Vor allem erfährt man viel über Jon, David (Sophies und Alice‘ Chef) und Alice selbst. Die anderen Charaktere werden zwar leicht skizziert, hier und da erfährt man Eigenheiten, aber ansonsten bleiben sie auch in ihrer Aufmachung Nebenfiguren, was letztlich auch der Grund ist, warum man sofort merkt, dass Stephen eben nicht Alice‘ große Liebe am Ende sein wird und das Geschehen nur noch vorhersehbarer macht.

 

Fazit: 

Alles in allem bietet der Roman in der Hörbuchfassung leichte Unterhaltung. Partiell werden sogar tiefgehende Gedanken aufgegriffen, die den Leser oder Hörer auch zum Nachdenken anregen könnten, aber im Mittelpunkt stehen dann doch eher Verstrickungen in der Liebe. Dabei erkennt man sehr schnell, wie alles ausgehen wird, nicht nur für Alice, sondern auch für all die anderen Damen. So ist es nicht allzu spannend, kann aber locker nebenbei gehört werden und wird auch nicht wirklich langweilig, da immer kleine unterhaltsame Stellen und Dialoge eingeflochten werden.

Was mich am Hörbuch selbst aber etwas störte, ist die stimmliche Charakterisierung einiger Figuren. Einerseits hat Alice nicht durchgängig die selbe Stimme. Mal wirkt sie kindlicher, mal erwachsener, was nicht mit den Zeitsprüngen in ihre Collegezeit einher geht, und so muss man geistig immer wach bleiben, um zu begreifen, dass es immer noch Alice ist, die erzählt.

Aber sehr viele Charaktere, die abseits der Stimme nicht so dargestellt werden, sprechen unglaublich affektiert, was mich beim Hören gestört hat. So wird man mit ihnen nicht warm und lehnt sie von vornherein ab. Daher muss ich das Hörbuch etwas schlechter werten, als das Buch an sich eigentlich gewesen wäre.

Lauren Graham – Talking as fast as I can

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: 29. November 2016
  • Verlag: Random House Audio
  • ASIN: B01N8T8L0H
  • Hörbuch  4 Stunden 38 Minuten
  • Sprache: Englisch

Als ich hörte, dass dieses Buch rauskommen würde, wusste ich, dass ich es haben wollte. Ich bin kein großer Freund von Biografien, finde sie normalerweise langweilig, aber ich bin Gilmore Girls Fan der ersten Stunde – zumindest für deutsche Verhältnisse. Seit dem ersten Trailer damals auf Vox hat mich die Serie fasziniert. Einfach und doch tiefgründig. Spannend und doch gemütlich. Lustig und gleichzeitig dramatisch. Und obwohl ich gern eine Rory gewesen wäre, eine sympathische Streberin, die in ihrem jungen Alter sehr erwachsen wirkt, war es doch Lauren Grahams Lorelai, die mir deutlich näher kam.

Aber zurück zu dem Buch. Ich wusste, ich wollte es haben, konnte aber warten. Doch dann las ich eine Rezension und wurde unruhiger. Ich las eine zweite und nun konnte mich nur vom Kauf abhalten, dass ich gerade aufgrund eines zu großen SUBs Kaufverbot hatte.

Als sich das vor drei Tagen wieder in Lust auflöste, sah ich, dass die deutsche Übersetzung erst Ende August erscheinen würde. Doch Amazon sagte mir ‚Hey, du bist Prime-Mitglied. Wir haben das Hörbuch. Wie wäre es mit einem Audible-Probeabo?‘. Und obwohl ich das große A nicht sonderlich mag, wenn es um Bücher geht, bin ich doch sehr froh, dass ich so leicht zu beeinflussen bin. Ich glaube, das Hörbuch war in diesem Fall genau die richtige Wahl für mich.

 

Inhalt: 

Lauren Graham erzählt hier vor allem – wer hätte es geglaubt, bei einer Biografie? – von ihrem Leben. Von der frühen Trennung ihrer Eltern, ihrem Leben auf einem Hausboot und ihren Anfängen im Schauspielbusiness. Natürlich wird ein großer Teil davon von den Gilmore Girls bestimmt, sowohl von den ersten sieben Staffeln als auch von der aktuellen Reunion.

Dabei geht sie mit ihren Fehlern und Rückschlägen offen, aber auch humorvoll um. Sie schreibt und liest, wie man sich das auch von Lorelai vorstellen würde. Hinzu kommen Telefonate mit ihrem Vater und ihrer Literaturagentin, um andere Perspektiven, aber ebenso auch mehr Humor hineinzubringen, und eine Reihe von Fotos, um das Erzählte grafisch zu untermauern.

 

Fazit: 

Ich hatte selten ein Hörbuch – oder auch nur ein Buch -, das mich so begeistert hat, noch dazu als Nonfiction. Bei den Stellen über die neue Staffel und wie sehr Edward Herrmann als Richard Gilmore dabei fehlte, standen mir Tränen in den Augen. An anderen Stellen habe ich laut gelacht – sehr zum Leidwesen der Leute um mich herum, denn ich hab teilweise unterwegs gehört. Gleichzeitig finden sich gute Ratschläge darin, sowohl für angehende Schriftsteller als auch für die, die glauben, irgendeinem Ernährungstrend Hollywoods folgen zu wollen.

Und immer wieder gibt es diese kleinen Abschweifungen, diese kleinen Anmerkungen, die so nach Lorelai Gilmore klingen. Von Lauren selbst gelesen, fühlt es sich an, als hätte man hier 4 Stunden weitere Folgen der Lieblingsserie.

Es liegt mir fern, irgendwas als Muss für irgendwen zu bezeichnen. Dies ist klar kein Muss für jeden Gilmore Girls Fan, denn jeder Mensch ist anders. Aber ich persönlich habe nicht nur die Einblicke in die Serienproduktion genossen, die man sonst bisher nirgends erhalten konnte, sondern auch alles darum herum, was nicht mit der Serie zu tun hatte. Präsentiert auf ihre eigene, leicht schrullige, amüsante Art. Und ich bin sehr froh, es gehört zu haben.

 

Shaun Usher (Hrsg.) – Lists of note

Lists of Note: Aufzeichnungen, die die Welt bedeuten

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: 2015
  • Verlag: Wilhelm Heyne Verlag
  • ISBN: 978-3-453-27000-8
  • Hardcover 344 Seiten
  • Sprache: Deutsch

 

Klappentext: 

Eine Sammlung der außergewöhnlichsten und aufschlussreichsten Listen der Weltgeschichte, darunter:

  1. Ein Einkaufszettel von zwei tibetischen Mönchen aus dem 9. Jahrhundert
  2. Die zehn Gebote der Mafia
  3. Isaac Newtons Liste seiner 57 Sünden, die er im Alter von neunzehn Jahren bereits begangen hatte
  4. Galileos Liste an Gegenständen, die er für den Bau eines Teleskops benötigte
  5. Einsteins Liste von Bedingungen an seine erste Frau
  6. Marilyn Monroes Neujahrsvorsätze für das Jahr 1956
  7. Martin Luther Kings Liste an Verhaltensregeln zum Busfahren für schwarze Mitbürger nach Aufhebung der Segregation
  8. Johnny Cashs ‚To do‘-Liste
  9. Michelangelos gezeichneter Einkaufszettel für drei Mahlzeiten
  10. Ratschläge für ‚Rock Chicks‘ von Chrissie Hynde

Und viele mehr

Inhalt: 

Listen aller Art finden sich hier. Teils oberflächlich wirkende, alte Listen mit wünschenswertem Verhalten junger Damen, teils Suchen nach Titeln für Filme. Mal absurd, mal interessant, manche auch etwas belanglos. Fast jede ist entweder mit einem Bild des Originalschriftstücks oder aber mit einem Foto des jeweiligen Verfassers komplettiert.

 

 

Fazit: 

Ein Buch, wie ich es mir normalerweise eigentlich nicht gekauft hätte, weil ich nicht gewusst hätte, was ich davon halten soll. Aber Antonia vom Blog Lauter&Leise hat mir unter anderem dies damals als Gewinn der Classic Confessions geschickt und ich bin sehr froh darüber. Denn ich hätte nie gedacht, dass ich dieses Buch so spannend finde. Manche Listen, all die Speise- und Einkaufszettel, waren jetzt nicht allzu interessant. Dafür gab es andere, bei denen ich laut gelacht habe, welche, die nachdenklich machten, und besonders interessant ist H. P. Lovecrafts Liste an Romanideen, die man gut als Inspiration nehmen kann, wenn man selbst versucht, schriftstellerisch tätig zu werden.

Diese Sammlung ist also wirklich ein Gewinn für meine Buchsammlung und ich habe die kurzweilige Lektüre sehr genossen.

Walter Moers – Ensel und Krete

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: 2002
  • Verlag: Goldmann Verlag
  • ISBN: 978-3442450176
  • Taschenbuch 256 Seiten
  • Sprache: Deutsch

 

Klappentext: 

Der große Wald. Buntbären. Fhernhachenzwerge. Ein gemeingefährlicher Laubwof. Unsterbliche Sternenstauner. Ehrgeizige Erdgnömchen. Ein unberechenbarer Stollentroll. Kokette Elfenwespen. Geheimbären. Eine Waldspinnenhexe. Blutsaugende Flederratten. Weinende Bäume. Sprechende Pflanzen. Tanzende Pilze. Leuchtende Ameisen. Doppelköpfige Wollhühnchen. Dreiäugige Schuhus. Ein sehr alter Meteor. Schreckliche Spannung. Grausamste Bosheit. Goldener Humor. Feinste zamonische Hochliteratur. Um nur das Gröbste zu nennen.

Inhalt: 

Zwei junge Ffhernhachenzwillinge verirren sich im Wald, weil der Bruder unbedingt auf einer Eiche hochklettern möchte. Schnell wissen sie nicht mehr genau, woher sie kamen und finden nicht mehr aus dem dichten Wald heraus. Doch nicht nur das, bald verschwimmt auch die Grenze zwischen Halluzination und Realität und die beiden können sich nicht mehr sicher sein, was sie wirklich erlebt haben und welche Monster real sind. Hinzu kommt noch die furchtbare Ungewissheit: Gab es mal eine Hexe? Und wenn ja, ist sie dann wirklich tot?

 

Aufbau:

Die Geschichte ist einerseits durchzogen von gewohnt niedlichen, teils aber auch schauderhaften Zeichnungen vom Autor, die man in jedem Werk von Moers findet – zumindest in jedem, das ich bisher kenne. Diese machen die teils doch sehr unverständlich, wenn auch detailreich beschriebenen Kreaturen des Waldes nachvollziehbarer.

Aber gleichzeitig wird die Handlung auch oft durch Mythenmetzsche Abschweifungen unterbrochen. Das ist ein Stilmittel, das der ‚Autor‘ des Buches, Hildegunst von Mythenmetz, einer der größten Schriftsteller Zamoniens, eigens für das Buch erfunden hat. Hier unterbricht er die Geschichte, oft an willkürlichen Stellen, um dem Leser zu erzählen, was sich alles in seinem Arbeitszimmer befindet, wie sehr er einen Literaturkritiker hasst, oder manchmal auch für epische Abhandlungen über Mathematik. Teils helfen sie, ein besseres Bild der zamonischen Welt zu erlangen, auch wenn das für die Geschichte nicht nötig ist, teils sind sie aber einfach nur störend.

Den Abschluss bildet dann eine verkürzte Biografie Mythenmetz‘, die allerdings erst nach Ende der eigentlichen Geschichte gereicht wird und damit nicht störend, sondern nur mehr oder minder interessant ist.

 

Charaktere: 

Ensel und Krete, die beiden Zwillinge, sind die einzigen Charaktere, die man wirklich über mehrere Seiten kennen lernt, und auch sie sind nur oberflächlich aufgebaut. Sie schwanken immer wieder zwischen Mut und Furcht, zwischen Streit und Einverständnis, aber viel mehr erfährt man darüber hinaus nicht, was für eine Abenteuergeschichte aber auch nicht zwangsläufig Not tut.

 

Fazit: 

Wenngleich fantasievoll beschrieben und herrlich vielfältig in Flora und Fauna Zamoniens, wirkt diese zamonische Neuinterpretation Hänsel und Gretels ziemlich künstlich aufgeblasen. Zeitweise ist es noch ganz angenehm, dass man eben nicht weiß, was als nächstes kommt. Dass hinter jeder Rettung der Zwillinge gleich das nächste Monster wartet, aber bald erscheint es mehr wie eine Hinhaltetaktik, um irgendwie die Seiten voll zu kriegen. Und die Abschweifungen zerstören dann gänzlich den ohnehin schon verlangsamten Erzählfluss. Dabei ist für mich nicht erkennbar, welchen Zweck Moers damit verfolgt, dass er Mythenmetz zu einer das eigene Buch störenden Diva werden lässt. Mut muss man ihm hierfür schon zusprechen, da sich das wohl kaum ein anderer Autor trauen würde. Aber darüber hinaus scheint mir kein Nutzen, weder für die Geschichte, noch für die Literatur als solche, dahinter zu stecken und so wirken die Abschweifungen lediglich störend und ärgerlich und stören das Buch nur.

John Niven – Gott bewahre

Gott bewahre

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum:  2011
  • Verlag: Wilhelm Heyne Verlag
  • ISBN: 978-3-453-67633-6
  • Taschenbuch  400 Seiten
  • Sprache: Deutsch

 

Klappentext: 

Kaum hat Gott sich im Himmel eine kleine Auszeit gegönnt und seinem Sohn Jesus Christus die Geschäftsführung überlassen, schon herrscht auf Erden das nackte Chaos. Bürgerkriege, Umweltsünden, Armut, Hassprediger, tödliche Krankheiten, moralischer Verfall und gnadenloser Kommerz, so weit das Auge reicht. Was wurde aus der Menschenliebe und dem einzig wahren Gebot: »SEID LIEB«? Gott denkt nach und findet nur eine Lösung – sein Sohn Jesus muss erneut auf die Erde zurückkehren, um Gutes zu tun. Doch werden die Menschen auf JC hören?

Inhalt: 

Als Gott aus dem Urlaub zurückkommt, kann er es nicht fassen. Die Menschen sind in seiner Abwesenheit endgültig durchgedreht und bringen sich nicht mehr nur gegenseitig für Land und Essen um, sondern töten jetzt auch noch in seinem Namen Schwule, Abtreibungsbefürworter und angeblich Ungläubige. Eigentlich hilft da nur eine gepflegte Apokalypse und ein Neustart. Aber es hat so lange gebraucht, bis man mal zu funktionsfähigen Menschen gekommen ist, also gibt Gott der Erde eine andere Möglichkeit. Jesus soll noch mal runter und den Menschen das eine Gebot predigen, das Gott damals wirklich diktiert hatte: Seid lieb.

Doch lange Zeit kommt Jesus nicht voran. Er hilft Obdachlosen und Junkies, während er selbst kaum über die Runden kommt, aber dafür landet er ständig im Knast. Dann ergibt sich aber die Chance. Als sehr guter Musiker drängen seine Freunde ihn, bei einer Castingshow teilzunehmen und nun endlich winkt die Möglichkeit, sich direkt an die Massen zu wenden. Doch leider halten ihn viele einfach nur für einen Spinner.

 

Charaktere: 

Obwohl einige interessante Nebencharaktere auftreten, ist nur Jesus wirklich tiefgehend ausgearbeitet. Und dennoch erscheint er nicht greifbar. Auf der einen Seite flucht er wie ein Rohrspatz und ist die meiste Zeit dicht, auf der anderen Seite predigt er aber Menschenliebe. Dass er selbst viel mehr erreichen könnte, wenn er nur den Hintern hochkriegen würde, wird im Buch geflissentlich ignoriert, weil es ja sonst der Story schaden würde, dass er als Underdog zu einer Casting Show geht und erst plötzlich der Erfolg zum Greifen nahe ist.

 

Fazit: 

Die Handlung an sich ist recht spannend und flüssig geschrieben, aber es kommt kaum eine Seite ohne einen Fluch aus. Allein ‚Schwanzlutscher‘ kam mindestens dreimal vor und war dabei noch das seltenste Wort. Mein Humorzentrum trifft eine solche Ausdrucksweise eher nicht, im Gegenteil. Normalerweise lehne ich Bücher, die sich niveaulosester Pipi-Kaka-Sprache und dem dazugehörigen Humor bedienen, konsequent ab, nur ist die zugrunde liegende Handlung so gut ausgearbeitet, dass man dennoch wissen möchte, wie es ausgeht. Bis zum Ende ist es durchgängig interessant und spannend geschrieben, doch schlussendlich bleibt der bittere Nachgeschmack, dass das Buch noch so viel besser hätte sein können, hätte man auf ein bisschen Niveau und lieber geistreiche Blasphemie gesetzt.

 

Theodore Cogswell, Charles Spano – Spock Messiah

Bildergebnis für Spock messiah

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: 1976
  • Verlag: Corgi Books
  • ISBN: 0552102814
  • Taschenbuch  186 Seiten
  • Sprache: Englisch

 

Klappentext: 

Beaming down to the unvisited planet Kyros, the crew of the Enterprise experiment with a new telepathic investigation devise that links them with the minds of the Kyrosians. But an error makes Spock the telepathic captive of a madman, a paranoid wondering preacher who believes he has been chosen to purge the planet of sin. And when Spock’s Vulcan genius is linked to the preacher’s spell binding power, a holy war breaks out for control of Kyros. The only way Captain Kirk can save the planet, and the lives of his crew is by killing Spock.

Inhalt: 

Als Versuchskaninchen eines neuen Instruments für die Erforschung fremder Zivilisationen, werden einige Sternenflottenoffiziere so an die Bewohner des Planeten gebunden, dass ein Implantat ihnen Zugang zum Hirn eines ausgewählten ‚Wirtes‘ gewährt, so dass sie nicht nur die Sprache, sondern auch die Verhaltensweisen übernehmen können.

Von Anfang an ist man skeptisch. Wird Spock den mentalen Kontakt zu einem Wesen aushalten, das längst nicht so logisch und kontrolliert ist, wie ein Vulkanier. Schon bald gibt es mit anderen Mitgliedern des Außenteams Probleme aufgrund ihres Implantats und dann ist auch noch Spock verschwunden.

Als auch noch eine Nova und eine Welle tödlicher Strahlung auf die Enterprise zukommen, stellt man schnell fest, dass Spock das Schiff sabotiert hat. Ohne Warpantrieb kann das Schiff sich nicht in Sicherheit bringen, doch die Dilithiumkristalle, die dem Schiff Energie geben, sind von Spock gestohlen worden. Und dann erklärt dieser sich auch noch zum Messias des Planeten und ruft zum heiligen Krieg auf. Die Zeit für die Enterprise läuft ab und um zu sich in Sicherheit zu bringen, müssen sie Spock stoppen.

 

Charaktere: 

Spock ist hier verständlicherweise Out of Character dargestellt, das aber auch gut erklärt. Ebenso benehmen sich die anderen Crewmitglieder sich abweichend, wann immer sie an einen Planetenbewohner gebunden sind.

Einzig Kirk zeigt auch vorher schon ein Verhalten, dass nicht mit der Serie zu vereinbaren ist. Während man oft genug gehört hat, dass McCoy Spock als wandelnden Computer bezeichnet, hat Kirk das in der Serie nur ein einziges Mal getan, und da nur, weil er Spock zu einem emotionalen Ausbruch reizen musste.

Im Buch wird die Freundschaft von Kirk und Spock aber heruntergespielt und fast schon verneint. So macht Kirk sich nie Sorgen um Spocks Wohl und es wird auch gesagt, dass McCoy sein einziger Freund an Board sei, was so der Serie stark widerspricht. Zwar wird der Kontrast zwischen Spock als emotionaler Messias und dem echten, kühlen und logischen Spock benötigt, um die Ernsthaftigkeit der Lage deutlich zu machen, aber die beiden Autoren gehen hier etwas zu weit, indem sie eine Grundlage der Serie angreifen.

 

Fazit: 

Die Geschichte an sich ist interessant ausgeschrieben, wenn auch teilweise ein wenig zu detailliert, wann immer sich die Crewmitglieder als Planetenbewohner tarnen. Es scheint, dass die Autoren das Bedürfnis haben, aus Sicht der Enterprise primitiv wirkendes Leben so genau wie möglich zu beschreiben. Aber die größte Schwäche des Romans ist der Bruch mit der Serie, sowohl in den sozialen Beziehungen, als auch in einigen anderen Fakten, die einfach der Serie widersprechen.

Wenn man darüber hinweg sehen kann, ist der Roman allerdings eine spannende Abenteuergeschichte, die durchaus unterhalten kann.

Charlie Holmberg – Magic bitter Magic sweet

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: 28. Juni 2016
  • Verlag:  47North
  • ISBN: 978-1503935600
  • Ebook   306 Seiten
  • Sprache: Englisch

 

Klappentext: 

Maire is a baker with an extraordinary gift: she can infuse her treats with emotions and abilities, which are then passed on to those who eat them. She doesn’t know why she can do this and remembers nothing of who she is or where she came from.

When marauders raid her town, Maire is captured and sold to the eccentric Allemas, who enslaves her and demands that she produce sinister confections, including a witch’s gingerbread cottage, a living cookie boy, and size-altering cakes.

During her captivity, Maire is visited by Fyel, a ghostly being who is reluctant to reveal his connection to her. The more often they meet, the more her memories return, and she begins to piece together who and what she really is—as well as past mistakes that yield cosmic consequences.

Inhalt: 

Maire ist seit etwa vier Jahren in einer Kleinstadt und hat mittlerweile ihre eigene Konditorei, in der sie Leckereien verkauft, in die sie Gefühle und Eigenschaften einbackt. Ihre Kekse können Mensch und Tier kräftiger machen, ihr Lavendelkuchen kann dafür sorgen, dass man sich geliebt fühlt und selbst Intelligenz ist mit ihren Desserts kein Problem. Warum sie das kann, weiß sie ebenso wenig, wie was vor ihrer Zeit in der Siedlung war.

Doch kaum erhält sie die Hoffnung darauf, etwas über sich zu erfahren, kaum scheint jemand, eine Erscheinung, sie von früher zu kennen, wird ihre sonst so keine Welt zerstört. Vagabunden überfallen die Stadt, töten die meisten und nehmen die jungen Bewohner als Sklaven mit. So kommt Maire in die Gewalt eines Mannes, der sie ebenfalls zu kennen scheint und von ihren Talenten weiß. Der sie gesucht hat. Ihr neuer Besitzer ist aber nicht nur brutal, sondern auch noch wahnsinnig. Nur eines scheint er mit Bestimmtheit zu wissen: Er muss verhindern, dass Maire mehr über sich erfährt.

 

Charaktere: 

Man lernt die Charaktere eigentlich erst gegen Ende wirklich kennen, weil vorher all ihre Vergangenheiten noch durch Amnesie und Rätsel verborgen sind. Stück für Stück werden Teile enthüllt, die sich aber erst im letzten Kapitel zusammenfügen. Bis dahin erlebt man die Geschichte aus Maires Sicht und kann so keinen unvoreingenommenen Eindruck gewinnen. Dafür leidet man mit ihr mit, und erhält daneben Einblicke in ihre Seelenleben, ihre Suche nach Antworten, aber auch ihre Angst davor.

 

Fazit: 

Der Roman bot Spannung bis zur letzten Seite des regulären Teils, wobei er mir an vielen Stellen zu brutal war. Düsterer, als ich es von Holmberg bisher gewohnt bin. Gefallen haben mir hingegen die Andeutungen anderer Geschichten im Buch, wobei ich mir gewünscht hätte, dass die weiter ausgebaut worden, mehr in die Welt eingeordnet gewesen wären. Der Epilog war letztlich leider enttäuschend. Zwar ein abgeschlossenes und auch zu erwartendes Ende, aber zu plötzlich und zu wenig erklärt, so dass der Roman nicht völlig überzeugen konnte.

Oliver Kuhn u.a. – iDoof, youDoof, wiiDoof

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: Mai 2011
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch
  • ISBN: 978-3548374000
  • Taschenbuch  288 Seiten
  • Sprache: Deutsch

 

Klappentext: 

Das Leben ist schön. Auch wenn die Welt nach wie vor ein sehr unvollkommener Ort ist. Warum müssen die Leute überall und jederzeit auf dem Bildschirm ihres iPhones rumfummeln? Warum darf eine Leuchte wie Lothar Matthäus ins Fernsehen, aber Glühbirnen sind plötzlich verboten? Gibt es bald Vampire bis(s) zum Abwinken? Und natürlich die Frage: Stammt der Wulff vom Köhler ab? Die Neuversion des Bestsellers Arschgeweih – wenn Sie dieses Buch lesen, können Sie fortan mitreden.

Inhalt: 

Was haben Kürbisse, Kartoffeln, China, Christian Wulff und drei Mal Stefan Raab gemeinsam? Richtig, nichts. Außer, dass die Autoren meinen, sie sind es wert, dass man sich über sie lustig macht. Daneben wird noch eine ganze Reihe anderer Dinge aufgezählt, die potenziell lustig sein sollen, aber eher anmuten, als hätte jemand einfach gleich das ganze Lexikon abgeschrieben.

 

Aufbau:

Wie ein Lexikon aufgebaut, gibt es alphabetisch geordnete Beiträge, die oft in Ich-Form erzählt werden. Problematisch ist hierbei, dass nicht geschrieben wird, wer der jeweilige Autor ist.

 

Fazit: 

Ich war selten glücklicher, ein Buch endlich durch zu haben. Erwartet habe ich Satire, sind doch Magazine wie Extra 3 gut darin, sich über eine Sache oder Angewohnheit lustig zu machen, dabei aber auch sachliche Argumente dafür vorzubringen und nicht oder nur wenig zu verletzen. Oder wenigstens eine verniedlichende Verhohnepipelung, wie sie Stand-Up Comedians anwenden.

Statt dessen wird hier nicht argumentativ gearbeitet. Warum soll man sich über etwas lustig machen? „Mir geht […] einfach nur auf die Nüsse.“ Die Autoren haben hier lediglich ihre eigene Meinung aufgeschrieben, ohne diese – witzig oder nicht – genauer darzulegen und den Leser so wirklich daran teilhaben zu lassen. Dabei hätten sie tatsächlich auch einige Dinge gehabt, die man hätte ausbauen können. Neumoderne Vampirromane, Radsport, die Namen prominenter Kinder und Smartphone-Zombies (zu denen ich mich auch zähle, es geht mir also nicht um eine Beleidigung meiner Person). Diese wurden aber nicht genutzt, sondern gehen in einem Einheitsbrei von Meckern und dummen Sprüchen unter.

Was aber an diesem Buch am Schlimmsten ist, sind die Beleidigungen und politischen Inkorrektheiten. Alleine viermal habe ich das N-Wort zur Beschreibung schwarzer Mitbürger gezählt. Schwule Knutschszenen im Fernsehen stören den Autor und sollen daher bitte von den Schreiberlingen unterlassen werden. Darüber hinaus wurden anstrengende Kinder von Hartz IV-Empfängern unterstellt, sie hätten degeneriertes Erbgut. In meinen Augen ist das Buch damit also eher ein Fall für die Staatsanwaltschaft als für ein gut sortiertes Bücherregal.

Und selbst, wenn Ziel des Buches eigentlich war, den Leuten vor Augen zu führen, wie lächerlich unsere Mecker- und Lästerkultur ist, und es nur diente, dem Leser zu zeigen, dass er genauso ist, wie die Autoren sich hier geben, stellt sich doch die Frage, warum dafür fast 300 Seiten und 9 Euro nötig sind.