Warum die Hälfte meines Lesens nicht zählt

Ich mag Goodreads, ich liebe es, zu verfolgen, wie viel ich gelesen habe und auch der Horror, zu sehen, dass mein TBR/SUB eher wächst als schrumpft, ist fast schon bittersüß. All diese Bücher. Alles meins. Mein Schatz. Ich gebe zu, dass ich es vielleicht etwas zu ernst nehme, dass ich mein Lesen zu sehr optimieren, kontrollieren will. Dabei ist es doch nur ein ‚Hobby‘. Aber es hilft mir, mich zu motivieren, mich neu zu begeistern. Ich liebe es.

Aber gleichzeitig hasse ich es, denn vieles, was ich lese, kann ich nicht verfolgen. Sammelwerke mit Einzelbeiträgen zum Beispiel. Wenn ich für die Uni nur bestimmte Texte lesen muss, dann enden sie mit Glück in meiner Hausarbeit, aber die harten Stunden, die ich mich durch trockenes Faseln gekämpft habe, wie Soziologen es hierzulande gern verfassen, sind im Nirwana verschwunden. Hunderte, tausende Seiten im Jahr, die am Ende nicht in meiner Jahresbilanz stehen. Dass sie nicht als Bücher angerechnet werden können, verstehe ich. Aber als Seiten?

Und dann wäre da noch Fanfiction. Zugegeben, ein paar gibt es auch bei Goodreads, aber nur etwa 600. Allein für Doctor Who gibt es auf Fanfiction.net aber 72.000! Und das ist nur eine Serie auf einer der unzähligen FF-Seiten. Natürlich, über Qualität lässt sich streiten. Aber auch hier finden sich kleine Diamanten in der Länge ausgewachsener Romane. Und wenn man mal ein paar Tage dort versumpft? Mit den Jahren kann man sich nicht einmal merken, welche man schon alle gelesen hat. Wäre es nicht schön, wenn man sie auch verwalten könnte? Zentral, damit man am Ende des Jahres sieht, was man geleistet hat? Aber bis dahin wird vieles, was ich lese, in kürzester Zeit wieder vergessen sein. Nicht nur vom Internet, auch von mir selbst.

Roman Schatz – Telewischn!

Die internationale Journalisten, alle mehr oder weniger in instabilen Lebenssituationen, werden eines Tages eingeladen und bekommen von einem der größten Medienkonzerne Europas einen Auftrag: 50.000 Euro, wenn sie einer mit GPS trackbaren Euromünze quer über den Kontinent folgen, darüber eine Doku drehen und nachhelfen, wenn es gerade nicht voran geht. Sie wissen nicht, dass sie dabei nicht nur eigentlich selbst die Darsteller eines Fernsehformats werden sollen, sondern auch gleich noch den internationalen Polizeiapparat in Bewegung bringen.

Zunächst fängt die Geschichte recht langweilig an. Nicht schlecht, nur mit wenig Handlung. Und zuerst dachte ich, dass es mich nicht interessieren wird. Doch dann nahm die Geschichte nicht nur Geschwindigkeit auf, sondern wurde immer absurder, aber nicht auf die Art, die macht, dass man das Buch an die Wand schmeißen will. Nein, es wurde spannend. Ich wollte wissen, wie es weiter geht. Ich bin mir nicht völlig sicher, ob ich mit dem Ende zufrieden bin, aber es war ein literarischer Roadtrip voll kleiner, teils bescheuerter (im positiven Sinne) Momente, der mir große Freude bereitet hat.

Simon Rich – Feinde

Nachdem ich von ‚In Gottes Namen, Amen‘ begeistert war, enttäuscht mich Simon Rich diesmal stark. Seymour, ein unscheinbarer Junge, maximal ausreichend in der Schule und ohne Freunde, trifft auf den reichen Elliot, der daraufhin ein Experiment beginnt, wie man Seymour beliebt machen kann, nur, um sich die Langeweile zu vertreiben. Es folgen gefühlt endlose Intrigen, die anfangs noch ganz interessant klingen, deren Sinn und Zweck einem sich aber bald nicht mehr erschließt. Darüber sind beide Protagonisten alles andere als sympathisch, sondern beide auf ihre eigene Weise einfach nur dumm. Und eine wirkliche Auflösung oder eine Moral von der Geschicht‘ gibt es auch nicht, so dass das Buch einen höchst unbefriedigt zurücklässt.