Die Queen – Mein königliches Tagebuch

Mein königliches Tagebuch - Top Secret

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: April 2012
  • Verlag: S. Fischer Verlag
  • ISBN: 978-3-596-19504-6
  • Taschenbuch 272 Seiten
  • Sprache: Deutsch

 

Klappentext: 

Wir sind nicht irgendwer. Wir sind die Queen!

7. Dezember: Eigentlich gönnt man sich vor fünf Uhr nachmittags niemals einen Gin. Gott sei Dank ist im Commonwealth immer irgendwo fünf Uhr nachmittags.

8. Dezember: Wir müssen Uns vom Papstbesuch erholen. Der Herzog von Edinburgh schien sich gut zu amüsieren; freilich mussten Wir ihm sein Vorhaben, den Papst als schwangere Nonne verkleidet zu begrüßen, dann doch untersagen.

24. Mai: Nein, Präsident Obama, Sie können nicht »eben mal früher reinschneien«! Wir haben ein Commonwealth zu regieren und einen gewissen Tagesablauf einzuhalten!

Aufbau:

Jeweils für einen gewissen Zeitraum sind die – natürlich fiktiven – Tagebucheinträge als Auszüge abgedruckt. Jeweils gibt es eine kurze Überschrift für den Tag, die eigentlich jedes Mal schon den Hauptpunkt beschreibt und alles andere überflüssig macht.

 

Fazit: 

Erst vor zwei Tagen habe ich geschrieben, dass ich mir von diesem Buch hier gewünscht habe, dass es die Ausnahme ist. Dass viele Bücher dieser Art einfach nur schlecht sind. Das ist leider hier auch der Fall. Einzig als Trinkspiel könnte es taugen, wenn man es in der Runde laut vorliest. Bei jedem Eintrag, dass die Queen sich mit Gin betrinkt, nimmt man einen Schluck. So kann man sich das Buch auch gleich wieder aus dem Gedächtnis trinken.

Ansonsten ist es erstaunlich niveaulos. Sowohl Teile des Kabinetts als auch der königlichen Familie werden als geistig behindert und auf der Stufe eines Kleinkindes dargestellt, und die Queen ist nicht nur größenwahnsinnig, sondern redet auch im Tagebuch von sich selbst als ‚wir‘. Viel mehr findet tatsächlich nicht statt. Einzig eine Stelle war zum Schmunzeln, und die ist mit dem 8. Dezember schon im Klappentext verarbeitet. Leider wieder eine Enttäuschung. Warum werden solche Bücher immer nur von Menschen geschrieben, deren Humor noch weniger Niveau hat als ein Programm von Mario Barth?

Oliver Kuhn u.a. – iDoof, youDoof, wiiDoof

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: Mai 2011
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch
  • ISBN: 978-3548374000
  • Taschenbuch  288 Seiten
  • Sprache: Deutsch

 

Klappentext: 

Das Leben ist schön. Auch wenn die Welt nach wie vor ein sehr unvollkommener Ort ist. Warum müssen die Leute überall und jederzeit auf dem Bildschirm ihres iPhones rumfummeln? Warum darf eine Leuchte wie Lothar Matthäus ins Fernsehen, aber Glühbirnen sind plötzlich verboten? Gibt es bald Vampire bis(s) zum Abwinken? Und natürlich die Frage: Stammt der Wulff vom Köhler ab? Die Neuversion des Bestsellers Arschgeweih – wenn Sie dieses Buch lesen, können Sie fortan mitreden.

Inhalt: 

Was haben Kürbisse, Kartoffeln, China, Christian Wulff und drei Mal Stefan Raab gemeinsam? Richtig, nichts. Außer, dass die Autoren meinen, sie sind es wert, dass man sich über sie lustig macht. Daneben wird noch eine ganze Reihe anderer Dinge aufgezählt, die potenziell lustig sein sollen, aber eher anmuten, als hätte jemand einfach gleich das ganze Lexikon abgeschrieben.

 

Aufbau:

Wie ein Lexikon aufgebaut, gibt es alphabetisch geordnete Beiträge, die oft in Ich-Form erzählt werden. Problematisch ist hierbei, dass nicht geschrieben wird, wer der jeweilige Autor ist.

 

Fazit: 

Ich war selten glücklicher, ein Buch endlich durch zu haben. Erwartet habe ich Satire, sind doch Magazine wie Extra 3 gut darin, sich über eine Sache oder Angewohnheit lustig zu machen, dabei aber auch sachliche Argumente dafür vorzubringen und nicht oder nur wenig zu verletzen. Oder wenigstens eine verniedlichende Verhohnepipelung, wie sie Stand-Up Comedians anwenden.

Statt dessen wird hier nicht argumentativ gearbeitet. Warum soll man sich über etwas lustig machen? „Mir geht […] einfach nur auf die Nüsse.“ Die Autoren haben hier lediglich ihre eigene Meinung aufgeschrieben, ohne diese – witzig oder nicht – genauer darzulegen und den Leser so wirklich daran teilhaben zu lassen. Dabei hätten sie tatsächlich auch einige Dinge gehabt, die man hätte ausbauen können. Neumoderne Vampirromane, Radsport, die Namen prominenter Kinder und Smartphone-Zombies (zu denen ich mich auch zähle, es geht mir also nicht um eine Beleidigung meiner Person). Diese wurden aber nicht genutzt, sondern gehen in einem Einheitsbrei von Meckern und dummen Sprüchen unter.

Was aber an diesem Buch am Schlimmsten ist, sind die Beleidigungen und politischen Inkorrektheiten. Alleine viermal habe ich das N-Wort zur Beschreibung schwarzer Mitbürger gezählt. Schwule Knutschszenen im Fernsehen stören den Autor und sollen daher bitte von den Schreiberlingen unterlassen werden. Darüber hinaus wurden anstrengende Kinder von Hartz IV-Empfängern unterstellt, sie hätten degeneriertes Erbgut. In meinen Augen ist das Buch damit also eher ein Fall für die Staatsanwaltschaft als für ein gut sortiertes Bücherregal.

Und selbst, wenn Ziel des Buches eigentlich war, den Leuten vor Augen zu führen, wie lächerlich unsere Mecker- und Lästerkultur ist, und es nur diente, dem Leser zu zeigen, dass er genauso ist, wie die Autoren sich hier geben, stellt sich doch die Frage, warum dafür fast 300 Seiten und 9 Euro nötig sind.

Kurzrezensionensammlung April 2017

Da sich gerade einige Bücher hier angesammelt haben, zu denen ich nicht genug zu sagen habe, dass sich eine große Rezension lohnt, aber auch nicht so wenig, dass ich sie gar nicht besprechen wollen würde, hier eine Sammlung der Kurzrezensionen der letzten Tage.

 

"Ich bin eine Dame, Sie Arschloch!"„Ich bin eine Dame, Sie Arschloch!“ von Axel Krohn und Sören Sieg

Gespräche im Alltag mitgehört. Dabei sind es nicht alle Gespräche auch wirklich wert, aufgeschrieben zu werden. Die Kapitel sind nicht schlüssig aufgeteilt und die Einleitungen sowohl unnötig, als auch uninteressant geschrieben, aber insgesamt ist das Buch nicht schlecht und eine nette Unterhaltung für zwischendurch.

 

Wir duschen am liebsten nackt: Die witzigsten WG-AnzeigenWir duschen am liebsten nackt von Joab Nist. 

Viele der Anzeigen wirken ausgedacht und hinten im Buch gibt der Autor auch zu, dass er Anzeigen gekürzt und damit auch teils aus dem Zusammenhang gerissen hat. Insgesamt lässt diese Sammlung WG-Bewohner eher als pervers, eklig, dauerbetrunken oder einfach nur dumm da stehen. Nur wenige Anzeigen sind tatsächlich auch humorvoll. Die Illustrationen allerdings sind gut und unterhaltsam gemacht.

 

Doktor spielen von Mark Leyner und Dr. Billy Goldberg

Hier gibt es detaillierte Anleitungen, wie man selbst Organe transplantiert, Blinddärme entfernt oder Geschlechtsumwandlungen durchführt. Darüber hinaus wird suggeriert, dass man mit ein paar medizinischen Fachbegriffen eine Frau verführen könnte – sofern man ein Mann ist, versteht sich. Alles, was auch nur ansatzweise medizinisch korrekt ist, ist stark auf die Gesäßregion fixiert, als wären die Herren Autoren noch nicht aus der analen Phase herausgewachsen. Und die ‚Abschlussprüfung‘ besteht aus Fragen, die vorher einerseits nicht beigebracht wurden, andererseits aber gleichzeitig nur intensives Schauen von Scrubs, House oder Grey’s Anatomy bedürfen. Sie bietet tatsächlich ein Minimum an medizinischem Wissen, sind aber vollkommen vom restlichen Inhalt des Buches abgekoppelt und auch dort mischen sich Fragen mit ‚Pipi-Kaka-Humor‘ hinein.

Corinne Maier – Die Entdeckung der Faulheit

Die Entdeckung der Faulheit

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: 2005
  • Verlag: Wilhelm Goldmann Verlag
  • ISBN: 3-442-30113-0
  • Taschenbuch  156 Seiten
  • Sprache: Deutsch

 

Klappentext: 

Wer arbeitet macht einen Fehler, behauptet die französische Bestsellerautorin Corinne Maier, und ruft in dieser pointierten Polemik zum subtilen Befreiungsschlag auf. Nichts ist heute schließlich mehr sicher, der Job nicht, die Karriere nicht, und die Rente schon gar nicht. Warum sollte man sich also für seine Firma krumm legen? Corinne Maier, selbst leitende Angestellte beim staatlichen Energiekonzern EDF, rät deshalb zur ‚aktiven Distanzierung‘ im Arbeitsleben. Ihr Tipp: Man suche sich eine Nische innerhalb seines Unternehmens, um mit geringstmöglichem Einsatz und ohne Risiko durch den Büroalltag zu kommen.

Inhalt: 

Anders als der Klappentext sagt, nimmt der Rat, was der Arbeitnehmer tun soll, lediglich die Einleitung und die letzten zwei Seiten ein. Der Rest des Buches wird bestimmt von einem destruktiven Angriff auf das Unternehmen an sich.

Corinne Maier, studierte Politologin, zählt dabei Gründe auf, warum Unternehmen schlecht sind und was in der Gesellschaft ihrer Ansicht nach falsch läuft. Dabei wettert sie gleichzeitig gegen Kapitalismus wie gegen Kommunismus. Sie kritisiert die Globalisierung, aber auch die französische Abgeschlossenheit der Denkweise.

Manche ihrer Kritikpunkte sind dabei nicht einmal falsch. So spricht sie an, dass Renten heute nicht mehr sicher sind, wenn immer mehr Arbeitnehmer frühzeitig – gegen ihren Willen – in die Rente geschickt werden, es aber immer weniger junge Leute gibt, die diese Rente finanzieren. Auch kritisiert sie, dass heute für die niedrigsten Arbeiten Uniabschlüsse gefordert werden, ebenso wie, dass diese Uniabschlüsse heute nichts mehr wert sind, ohne eine Kausalbeziehung zwischen beidem herzustellen.

Auffällig ist aber, dass sie sich gegen alles ausspricht, was ihr einfällt, ohne Lösungen aufzuzeigen. Das Einzige, was sie vorschlägt, ist, zu versuchen, mit so wenig Einsatz wie möglich, durchs Arbeitsleben zu kommen. Keine Erklärung, wie das gegen die gesellschaftlichen Probleme helfen sollte, kein Gedanke daran, dass, wenn jeder das machen würde, die Wirtschaft schließlich zusammenbrechen könnte. Leute, die an etwas glauben und mit Herzblut an ihre Arbeit herangehen, werden bei ihr als Trottel diffamiert, und überhaupt gibt es in Unternehmen ihrer Ansicht nach nur Faule, Trottel oder Parasiten (Manager und Berater).

Dabei ist einiges rein spezifisch für Frankreich und kann nicht auf deutsche Unternehmen übertragen werden. Anderes, was sie kritisiert, ist rein definitorisch falsch. So verwechselt sie hier Unternehmenskultur (gemeinsame, festgelegte Werte eines Unternehmens) mit Corporate Design ( gleichaussehende Kugelschreiber, Pullover, etc. ). Das mag ein Fehler der Übersetzerin sein, lässt das Buch aber noch schlechter darstehen.

 

Fazit: 

Ich hatte mir tatsächlich pointierte Polemik gewünscht, wie es auf dem Klappentext versprochen wurde. Dazu einen tatsächlichen Ratgeber, wie man mit wenig Arbeit gut durchs Leben kommt. Nicht, dass ich das befolgen wollen würde – ich hoffe noch, einen Beruf zu ergreifen, bei dem ich zu den Trotteln mit Herzblut gehören und mich damit wohlfühlen kann -, aber jeder hat mal einen schlechten Tag, vielleicht hilft das da?

Aber das Buch hat mich bitter enttäuscht. Es war eine einzige, unkonstruktive Schimpftirade gegen Unternehmen – ohne jegliche Unterscheidung. Das Unternehmen ist immer böse, unfähig und tut eigentlich nichts. Der Titel geht völlig am Thema vorbei und die Autorin hat auch nicht abseits des Titels versucht, irgendeinen Lösungsweg aufzuzeichnen, auch nur das Gedankenexperiment weiter zu führen, als zu sagen, man solle auf der Arbeit nichts tun. So ist das Buch in sich einfach bedeutungslos und ohne jeglichen Mehrwert.

 

[Kurzrezension] George Bernard Shaw – Die heilige Johanna

Bildergebnis für die heilige johanna bernard Shaw Dieses kleine Büchlein hier hat mich sehr enttäuscht und trotz nur knapp 150 Seiten habe ich mehrere Tage dafür gebraucht, egal wie sehr ich mich angestrengt habe, es endlich zu beenden. Bisher war ich ein großer Fan von Shaw, da ich selbst einst Pygmalion spielen durfte und es mir sehr gefallen hat, aber in ‚Die heilige Johanna‘ ist leider nicht der Witz und die Leichtigkeit zu finden, die ich in Pygmalion so geschätzt habe. Statt dessen finden sich hier teilweise vierseitige Monologe über die Strategie, politische Feinde zu besiegen.

Man meint, dass Shaw den moralischen Zeigefinger erheben möchte und gegen das Vorgehen sowohl der Franzosen als auch der Engländer zur Zeit Jean D’Arcs schreiben möchte, doch dabei verfängt er sich in langen Mono- und Dialogen, die nicht zum Punkt kommen und so leider nur langweilen.

 

[Kurzrezension] Zoe Jenny – Das Blütenstaubzimmer

Das Blütenstaubzimmer. Roman by Zoë Jenny

Dies hier soll ein Roman sein, der das Erwachsenwerden und Loslösen von den Eltern beschreibt, doch um ehrlich zu sein empfand ich es eher als zusammenhangloses Sammelsurium aus Namen, deren Charaktere kaum erklärt werden und die auftauchen und verschwinden, ohne dass man begreift, wie sie zur Protagonistin stehen, und Momenten, die ebenfalls nicht weiter erklärt werden. Mal ist sie im Kino und beschreibt minutiös, was im Film (und im Telefonat eines Mannes, der ebenfalls dort sitzt) vor sich geht, dann ist das aber wieder vorbei, ohne dass es irgendeine Funktion für eine Handlung gehabt hätte. Auch ihre ständigen Träume oder Visionen werden in keinen Kontext gerückt, sondern stehen einzeln und somit sinnlos im Raum. So ist das Buch eigentlich nur eine langweilige Verschwendung von Zeit, ohne dass man jemand die Protagonistin groß kennen gelernt hätte. In sie einfühlen kann man sich erst recht nicht. Und so finden – zumindest in meinem Fall – Leser und Buch an keiner Stelle zu einander.

 

Christopher Mosley – Das Haus der vergessenen Bücher

 

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: 2015
  • Verlag: Atlantik Bücher
  • ISBN: 978-3-455-65060-0
  • Taschenbuch  255 Seiten
  • Sprache: Deutsch

Klappentext: 

Die wohl bezauberndste Buchhandlung in New York

Brooklyn, 1919. Im Antiquariat von Roger Mifflin spuken nicht nur die Geister der Weltliteratur durch die Gänge. Auch seine ebenso patente wie resolute Ehefrau und sein treuer Hund Bock – Bock wie Boccaccio – sind feste Größen im Leben der Buchhandlung Parnassus. Hier, zwischen vergessenen Schätzen und dichten Tabakschwaden, verlieben sich zwei junge Menschen in einander, verschwindet ein Buch und nimmt ein Spionagefall seinen Lauf …

Inhalt: 

Roger Mifflin führt seine Buchhandlung in der Annahme, dass die meisten Menschen krank sind und Bücher zu Heilung brauchen, das nur nicht wissen. (Viel mehr erfährt man über die Arbeitsweise nicht.) Er nimmt ein junges Mädchen bei sich auf, weil ihr Vater sich wünscht, sie möge ein bisschen mehr von der Welt und Büchern lernen und plötzlich ist ein Buch immer wieder da und kurz darauf nicht mehr. Ein neuer Bekannter des Buchhändlers geht dem auf eigene Faust nach.

 

Aufbau:

Nichts sagende Kapitelüberschriften werden abgelöst von langen, oft von (teils erfunden) Literaturzitaten und Referenzen durchzogen, Handlung kommt erst auf den letzten Seiten auf.

 

Charaktere: 

Roger Mifflin ist ein zumeist gutmütiger, in seiner Arbeit fast schon fanatistischer Buchhändler, der der Meinung ist, man müsse Menschen gute Literatur ans Herz legen, ob sie diese wollen oder nicht. Darüber hinaus zeichnet er sich eigentlich nur dadurch aus, über das ganze Buch hinweg entweder ständig andere Bücher zu zitieren, oder aber seine eigene Philosophie jedem aufdrücken zu wollen, der nicht schnell genug wegrennt.

Seine Frau ist da schon gemäßigter, belächelt ihren Mann oft und ist in ihrer resoluten Art durchaus sympathisch, tritt aber so gut wie nicht auf.

Aubrey Gilbert arbeitet in einer Werbeagentur und hält nicht allzu viel von Büchern. Dennoch schließt er mit Mifflin Bekanntschaft, ist ihm gegenüber aber die meiste Zeit negativ eingestellt. Er ist neugierig, ein wenig gerissen, schreckt aber auch nicht vor Verbrechen zurück. Viel mehr erfährt man über ihn nicht, außer, dass er sich auf den ersten Blick in Titania verliebt.

Diese, das junge Mädchen, das bei Mifflin lernen soll, ist über die Maßen höflich, wirkt aber naiv und regelrecht geistig unbedarft. Offenbar zeichnet sie sich nur dadurch aus, hübsch zu sein und nicht zu sehr im Weg zu stehen. Dennoch liegen ihr alle Männer zu Füßen.

 

Fazit: 

Dieses Buch war unglaublich langweilig. Über 150 Seiten gibt es fast ausschließlich Literaturreferenzen, teilweise sogar nur zu fiktiven Büchern. Es kommt der Eindruck auf, der Autor wolle nur mit Wissen angeben und seine Leser vielleicht als dumm und ungebildet entlarven wollen. Erst auf den letzten maximal 100 Seiten kommt Handlung auf, diese wirkt aber so unglaubwürdig und konstruiert, dass man sich nicht einlesen kann, sondern die ganze Zeit nur das Gefühl hat, dass der Autor sich nur etwas aus den Fingern gesaugt hat, damit sein Buch wenigstens ein geringes Existenzrecht unter den Roman erlangt.

Letztlich ist es pseudo-intellektuell und ein Großteil der im Klappentext angekündigten Ereignisse kommt nicht oder nur am Rande zustande. Was als Muss für jeden Bücherfan verschrien ist, ist in Wirklichkeit ein absoluter Fehlkauf.

 

[Kurzrezension] Robert Neuendorf – Ich war Telefonjoker bei Wer Wird Millionär und habe absichtlich falsch geantwortet: Und Andere Großartige Beichten.

Heute mal nur eine Kurzrezension, da ich das Buch ehrlich gesagt schnellstmöglich wieder weitergegeben habe.

 

Hier sammelt der Autor Robert Neuendorf auf 224 Seiten Beichten der Website beichthaus.de, die er offenbar als großartig erachtet, wenn man dem Titel Glauben schenkt.

Für mich taten sich hier eher Abgründe auf. Dass Menschen gerne mal einfach nur dumm handeln und erst hinterher nachdenken, ist bekannt und keiner von uns ist davor gefeit. Doch wenn diese Beichten echt sein sollten, ist die Menschheit um einiges ekliger, perverser und einfach bösartiger als man bisher hätte denken können – was schon etwas heißen will, wenn man bedenkt, dass im Fernsehen fast nur noch Krimis laufen.

Ich bin mir etwas unschlüssig, ob der Autor derjenige mit einem eher bedenklichen Geschmack ist, oder ob das einen normalen Schnitt durch die Beichten der Website liefert. In beiden Fällen aber war das Buch nicht etwa unterhaltend, sondern eher schockierend. Wer nach der Lektüre noch an das Gute im Menschen glaubt, muss ein Heiliger sein.

Régis de sá Moreira – Das geheime Leben der Bücher

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Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: Januar 2010
  • Verlag: Knaur Taschenbuch
  • ISBN: 978-3-426-63599-5
  • Paperback  175 Seiten
  • Sprache: Deutsch

Klappentext: 

Auch Bücher brauchen Liebe!

Viele wünschen sich, sie könnten von Luft und Liebe leben. Er, der Buchhändler, lebt vom Lesen, denn nur dann hat er das Gefühl, geliebt zu werden. Seine Buchhandlung ist sein Universum, die Bücher sind seine Schützlinge. Und bei jedem Klingeln seiner Türglocke ist er immer wieder bereit, seine frohe Botschaft zu verkünden: Lesen hilft und macht glücklich…

Inhalt: 

Inhalt gibt es wenig. Das gesamte Buch ist eine nicht wirklich verbundene Ansammlung von Menschen, die den Buchladen betreten und die Reaktion des Buchhändlers, eingebunden in Prolog und Epilog, die vollkommen von der Haupthandlung abgetrennt sind.

 

Aufbau:

Hier reihen sich viele kurze Kapitel und sehr viele leere und halbleere Seiten an einander, so dass das Buch noch kürzer ist, als es auf den ersten Blick wirkt.

 

Charaktere: 

Der einzige Charakter, der wirklich beschrieben wird, ist der des Buchhändlers. Namenlos, korpulent, obwohl er nie etwas isst, nicht essen muss, und schwankend zwischen melancholisch, cholerisch, depressiv, verträumt, übermütig und sexuell erregt – da wird eine Kundin auch einfach mal von jetzt auf gleich begattet – lebt er sein eintöniges Leben, das nur von Kunden ab und an unterbrochen wird.

 

Fazit: 

Keinerlei Handlung und auch der Titel ist falsch. Eigentlich geht es nicht um Bücher, sondern um den Buchhändler, der rund um die Uhr offen hat, nur liest und sich nicht einmal ernähren muss. Er hat keine eigene Fantasie, zerstört teilweise mutwillig seine Bücher und sitzt nur rum, hin und her schwankend zwischen Depression, Übermut und etwas, was womöglich Halluzination ist. Das Buch möchte wohl tiefgründig oder philosophisch sein, endet aber bei verworren, abstrakt und nichtssagend.

Clemens Berger – Das Streichelinstitut

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Buchdetails

  • Erscheinungsdatum: ?
  • Verlag: Wallstein Verlag
  • ISBN: 9783835306196
  • Gebundene Ausgabe 356 Seiten
  • Sprache: Deutsch

 

Klappentext: 

 

Ein urkomischer, kluger Roman über einen liebenswerten Taugenichts, der beschließt, ein Streichelinstitut zu eröffnen und endlich ein homo oeconomicus zu werden.

Inhalt: 

 

Eigentlich war es nur ein Scherz seiner Freundin. Er könne so gut streicheln, dass er das doch beruflich machen könnte. Schließlich entscheidet sich Sebastian, der sich jetzt lieber Severin nennt, dafür und mietet eine Wohnung an, um ein Streichelinstitut zu eröffnen. Immerhin beweisen Forschungen, dass Streicheln den Menschen hilft, sie zu glücklicheren, besseren Menschen macht. Aber niemals unter der Gürtellinie. Schon nach wenigen Wochen bricht er diese Regel aber.

 

Aufbau: 

In lediglich drei Kapiteln, die unendlich lang scheinen, wechseln immer Gegenwart, Vergangenheit und Fantasie, ohne dass die Übergänge wirklich klar gemacht werden, so dass man wirklich aufmerksam lesen muss, um zu wissen, wo man sich gerade befindet. Viele der Gespräche werden nur zusammengefasst oder in indirekter Rede erwähnt. Sehr schwer und unangenehm im Textfluss.

 

Charaktere: 

Sebastian/Severin hat einen Abschluss in Philosophie und will eigentlich seine Dissertation schreiben, schreibt aber immer nur die Arbeiten anderer  – gegen Geld, versteht sich. Er bummelt durch die Welt und durch sein Leben, kommt nirgendwo an. Er selbst hält sich für links, hasst aber so ziemlich jeden und scheint ständig im Luxus leben zu wollen. Darüber hinaus denkt er bei jeder Kleinigkeit an Sex. Ein Hund wäre bei einer solchen Übersexualisierung schon längst kastriert worden, er hingegen betrügt lieber ständig seine Freundin und glaubt zwischendurch gleich drei Frauen zu lieben. Liebenswert, wie im Klappentext behauptet, ist er nicht, eher das Gegenteil. Er gibt ständig, selbst in seinen Gedankenmonologen, mit seiner Belesenheit, seinem Kunstverstand an, hält sich für besser als die meisten anderen und tut sich ständig selbst leid. Hasst sich gleichzeitig selbst. Nicht einmal Goethes Werther ist so hassenswert und selbstbesessen wie dieser Mann.

 

Anna, seine Freundin, ist Philosophiedozentin, weiß aber von seiner Arbeit als Ghostwriter wissenschaftlicher Arbeiten. Was eigentlich ein Kündigungsgrund sein müsste, dass sie es verschweigt, wird nie thematisiert. Sie ist nicht richtig zu fassen, wirklich lernt man sie nicht kennen, weil sie, wenn sie spricht, oft nicht richtig auf die Themen eingeht, einsilbig ist, nicht ausspricht, was sie denkt. Man erfährt nur, dass sie genauso übersexualisiert ist, stellt sie sich doch liebend gern vor, wie ihr Freund andere Frauen streichelt, nur um ihn dann ins Bett zu schleifen.

 

Dr. Irene Fischer, fast immer mit Doktor geschrieben, obwohl man nicht weiß, wofür – Medizin kann es nicht sein, so oft, wie sie wochenlang einfach verschwindet -, ist die Dritte im Bunde, hat Severin gezeigt, wie er unter der Gürtellinie zu streicheln hat und dann das Gleiche auch noch mit seiner Freundin gemacht. Sie verführt ihn auch zu einer Expansion seines Unternehmens, ansonsten bleibt sie aber undurchsichtig. Scheint nur als Verführung, als Stilmittel zu existieren.

 

Viele andere Personen werden erwähnt, bleiben aber blass, uncharakterisiert, was schade ist. Gerade die Kunden des Instituts, ihre Geschichten, hätten so viel Potenzial geboten.

 

Fazit: 

Das Buch hätte so vieles sein können und ist doch nichts davon. Es hat zwischendurch gute Ansätze, auf die man eine Handlung hätte aufbauen können. SMS von der eigenen Nummer, ohne dass man sie selbst geschickt hat? Wäre ein guter SciFi oder Fantasy. Die Zerrissenheit in Sebastian und Severin hätte ein guter Thriller oder ein Psychodrama werden können und die Geschichte von einem Institut, in dem man Leute streichelt und glücklich macht, wäre ein guter Ansatzpunkt für eine Romanze. Doch dieser Roman ist nichts davon. Es findet keinerlei wirkliche Handlung statt, Spannung kommt nicht auf. Nicht einmal der im Klappentext versprochene Humor, eher im Gegenteil. Ich habe ein Buch noch nie so inniglich gehasst.

Auch Gesellschaftskritik hätte es werden können. Über Leute, die sich für links halten und doch die schlimmsten Kapitalisten sind. Über die Perversionen unserer Zeit. Über freie Liebe oder dagegen. All das wird kurz angerissen und doch nicht pointiert dargestellt, sondern gleich wieder fallen gelassen. So bleibt am Ende ein Werk übrig, dass auf 356 Seiten weder Moral, noch Handlung, noch irgendeine Aussage hat. Keine Charaktere, in denen man sich erkennen könnte, nicht einmal ein Ende. Die eigentlich interessante Zeit, die eigentliche Handlung hätte mit dem Ende erst angefangen.