[Abbruch] Gustav Meyrink – Der Golem

Das ist schon das zweite Buch in diesem Jahr, dass ich abbreche und eigentlich habe ich mir geschworen, niemals Bücher vorzeitig ad acta zu legen, aber hier ging es einfach nicht anders.
Obwohl ich es nur als Hörbuch habe (oder vielmehr Youtube es als Hörbuch anbietet), habe ich schon nach dem zweiten Kapitel einfach nicht mehr ertragen können, irgendetwas weiteres davon zu hören.

Grund 1: Es war ein Fehlgriff. Ich mag Golems. Wesen aus lebendem Ton. Und eine kurze Internetrecherche vor einigen Jahren sagte ‚Berühmtestes Werk ist Meyrinks Golem‘. Von wegen. Das hier ist keinesfalls eine neuzeitliche Version der jüdischen Legende oder gar ein Fantasyroman, in dem Golems, wie bei Pratchett, sich langsam Bürgerrechte erarbeiten. Das Tonmonster kommt nicht einmal darin vor. Es ist nur ein existentialistischer, pseudo-psychologischer Haufen Bampf.

Grund 2: Das zweite Kapitel war so widerwärtig antisemitisch, dass ich, wäre Meyrink vor meiner Nase gewesen, meinen Pazifismus vergessen hätte. Durch die Blume sagt er nicht nur, dass er alle Juden hässlich findet, sondern sie auch noch Triebtäter seien. Es tut mir leid, Literaren mögen dieses Werk noch so herrlich finden, aber ich tu mir so einen hasserfüllten Mist nicht an. Es reicht mir schon, dass Hass heutzutage selbst durch die eigenen Filterblasen in den sozialen Netzwerken sickert.

Was nun? Nun, ich werde es dennoch zu meiner SUB-Abbau-Challenge zählen, denn es ist ja von meinem Stapel runter(gefallen), aber um es in die Goodreads-Challenge einzubinden, waren zwei Kapitel einfach zu wenig. Und so werde ich, sollte sich Ähnliches wieder ergeben, auch weiter vorgehen.
Noch vor einigen Wochen habe ich in Kommentaren gewettert, dass Bücher, so schlecht sie auch geschrieben sein mögen, immer einen Lerneffekt mit sich bringen können. Aber heute denke ich anders. Manch ein Buch ist es schlicht nicht wert, dass man sich für den geringen Effekt mit ihm herumquält. Der Golem gehört dazu.

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