Paul-Philipp Hanske et al. – 5 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich

Zunächst einmal der wichtigste Punkt meiner schlechten Bewertung: Keine der abgedruckten Rezensionen ist real. Natürlich mag das aus Copyright-Gründen verständlich sein, aber dann hätte man lieber versuchen sollen, die Rechte zu bekommen, anstatt fiktive, platte Charaktere zu kreieren, die man nur an Klischees orientiert und die nicht im Geringsten das Spektrum der lustigen und absurden Buchrezensionen widerspiegeln, die man bei Amazon, Goodreads und Co. lesen könnte. Wer also eine Auswahl der besten, ironischsten Kritiken erwartet hat, so wie ich, als ich das Buch kaufte, der wird enttäuscht.

Die Buchauswahl:

Die 100 bekanntesten Bücher sollten hier behandelt werden und natürlich ist für jeden, der ab und an mal liest, ein bekanntes Werk dabei. Von Klassikern wie Faust und Hamlet bis zu Popkultur wie Harry Potter und Hummeldumm sind Bücher dabei, von denen man schon zumindest mal etwas gehört hat. Doch Lothar Matthäus‘ Tagebuch, die Doktorarbeit von Guttenberg, das Hauptwerk des Scientology-Gründers, sowie ein Buch über naturheilkundliche Geburt lassen dann doch eher den Schluss zu, dass die Autoren des Buches vor allem wählten, was sie selbst in letzter Zeit gelesen hatten und nur ab und an Klassiker beifügten, um den Anschein zu machen, die Bücher könnten alle relevant sein. Jedenfalls scheinen hier weder Bestsellerlisten noch Buchpreise eine Rolle gespielt zu haben.

Die Charaktere:

Viele Charaktere sind sehr monothematisch aufgebaut, kaum einer geht wirklich auf das jeweilige Buch ein, maximal auf einen Aspekt. So ist da die Schülerin, die an einem Buchanfang eine Parallele zu ihrem eigenen Leben auf dem Schulhof aufzeigt und solange davon erzählt, bis nur ‚weiterlesen…‘ den Abschluss bildet.

Dann haben wir die Christin, die selbst in einem Kochbuch die Religion sieht, die, die sich beschwert, dass Bücher wie ‚Das Parfüm‘ keine Anleitung bieten, wie man eine Gruppensex-Party organisiert, und die, die jeweils sagen, wie sehr das Buch doch aufzeigt, wie verkommen die Welt sei.

Die Einzigen, die manchmal auf den Inhalt eingehen sind zwei Charaktere, die sich durch ihren Nickname als bibliophil bezeichnen, doch beide schreiben auf dem Niveau von Grundschülern, obwohl sie erwachsen sein sollen. Wenn die Theorie stimmt, dass Lesen Wortschatz und Ausdruck verbessert, sind die beiden also sehr inkonsequent aufgebaut. Zumal eine der beiden später vor allem darüber sinniert, wie hübsch der Autor doch auf dem Coverbild aussieht.

Natürlich gibt es ab und an auch Rezensionen, die mit dem eigentlichen Buch wenig zu tun haben, doch wirklich realistisch sind hier nur diejenigen, bei denen lediglich der Preis im Vergleich zur Seitenzahl gelobt oder kritisiert wird, ohne den Inhalt überhaupt zu beachten. Und leider auch die, die in langen Absätzen ausformulieren, warum sie das Buch eh nicht lesen werden.

Insgesamt ist das Buch weder unterhaltsam, noch realistisch. Es soll vermutlich Satire sein, doch alles, was sich bei mir eingestellt hat, war ein Hass, sowohl auf die unglaublich dumm dargestellten Rezensentencharaktere, als auch auf die Autoren. Ein absoluter Fehlkauf, der darüber hinaus auch noch keinerlei Lust macht, die ‚vorgestellten‘ Bücher zu lesen.

Nebenbemerkung:

Was ich nicht in die Bewertung einbezogen habe, aber dennoch sehr abstoßend finde, ist, dass dieses Buch nicht nur ein Auftragswerk ist, sondern auch von einem Journalistenbüro erstellt wurde. Die Autoren haben damit also auch ihre Berufsehre, nur die ‚Wahrheit‘ (soweit überhaupt möglich, siehe Konstruktivismus) zu berichten und nichts zu erfinden, mit Füßen getreten.

Schreibe einen Kommentar